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Low-Code/No-Code-Plattformen: Innovationsschub für kleine Beratungshäuser

Low-Code/No-Code-Plattformen ermöglichen kleinen Beratungsfirmen, schnell individuelle Softwarelösungen für den Mittelstand zu entwickeln und so…

Von Redaktion Mittelstandswelt5 Min. Lesezeit

Zuletzt aktualisiert am

Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft, steht aber vor der Herausforderung, mit den rasanten technologischen Entwicklungen Schritt zu halten. Kleine und mittlere Beratungsfirmen begleiten diesen Wandel. Doch auch sie selbst müssen effizient bleiben. Eine Technologie, die hier zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind Low-Code/No-Code (LCNC)-Plattformen. Sie versprechen, die Entwicklung individueller Softwarelösungen drastisch zu beschleunigen und zu vereinfachen, was insbesondere für kleinere Beratungshäuser einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellen kann. Dieser Artikel beleuchtet, wie LCNC-Ansätze es diesen Firmen ermöglichen, Lösungen für ihre Kunden im DACH-Raum agiler und kosteneffizienter zu entwickeln und welche strategischen Potenziale und Herausforderungen damit verbunden sind.

1LCNC verstehen: Mehr als nur Baukästen

Low-Code/No-Code-Plattformen sind Entwicklungsumgebungen, die es ermöglichen, Softwareanwendungen mit minimalem manuellen Codeeinsatz zu erstellen. Statt Zeile für Zeile Code zu schreiben, nutzen Anwender grafische Benutzeroberflächen, Drag-and-Drop-Funktionen und vordefinierte Komponenten. Der wesentliche Unterschied: No-Code-Plattformen richten sich an 'Citizen Developer' ohne jegliche Programmierkenntnisse und sind ideal für einfache, standardisierte Anwendungen. Low-Code-Plattformen hingegen erfordern zwar Basiskenntnisse oder eine schnelle Einarbeitung, bieten aber durch die Möglichkeit, bei Bedarf eigenen Code zu integrieren, eine deutlich höhere Flexibilität und Skalierbarkeit für komplexere oder spezialisierte Anwendungen. Für Consulting-Firmen, die oft spezifische Kundenanforderungen bedienen müssen, sind Low-Code-Plattformen daher häufig die präferierte Wahl, da sie eine Balance zwischen Geschwindigkeit und Anpassbarkeit bieten. Laut Prognosen namhafter Analystenhäuser wird der Markt für LCNC-Plattformen bis 2027 ein globales Volumen von über 65 Milliarden US-Dollar erreichen, was das enorme Potenzial dieser Technologien zeigt.

2Agilität und Effizienz: Die LCNC-Vorteile für kleine Beratungen

Für kleinere und mittlere Beratungsunternehmen ist die Fähigkeit, schnell auf Kundenbedürfnisse zu reagieren und gleichzeitig kosteneffizient zu arbeiten, von existenzieller Bedeutung. LCNC-Plattformen adressieren genau diese Punkte:

  • Signifikante Zeitersparnis: Die Entwicklungszeit für individuelle Anwendungen kann sich um 50% bis 70% reduzieren. Statt monatelanger Entwicklungszyklen sind funktionale Prototypen oder sogar finale Lösungen in wenigen Wochen oder Tagen realisierbar. Dies erlaubt eine schnellere Time-to-Market für neue Beratungsangebote.
  • Kosteneffizienz: Weniger Entwicklungszeit bedeutet geringere Personalkosten. Zudem entfallen oft hohe Lizenzkosten für komplexe Entwicklungsumgebungen. Kleinere Teams können mit LCNC-Tools die Produktivität von größeren Teams erreichen, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
  • Flexibilität und Anpassbarkeit: Kundenanforderungen ändern sich dynamisch. LCNC-Plattformen erlauben eine schnelle iterative Entwicklung und Anpassung von Lösungen. Änderungen können oft innerhalb von Stunden oder Tagen umgesetzt und direkt mit dem Kunden validiert werden, was die Kundenzufriedenheit erhöht.
  • Demokratisierung der Entwicklung: Auch Berater mit eingeschränkten Programmierkenntnissen können mit LCNC eigenständig Lösungen entwickeln. Dies fördert die Innovationskraft innerhalb des Beratungshauses und ermöglicht es, das vorhandene Fachwissen direkt in digitale Produkte umzusetzen.
  • Risikominimierung: Durch die schnelle Prototypenentwicklung können Konzepte und Ideen frühzeitig mit Kunden getestet werden, bevor größere Investitionen getätigt werden. Dies minimiert das Risiko von Fehlentwicklungen und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit von Projekten.

3Praktische Anwendungsfelder im Beratungsalltag

Die Einsatzmöglichkeiten von LCNC für Beratungshäuser reichen von der internen Prozessoptimierung bis zur direkten Wertschöpfung für den Kunden. Hier einige konkrete Beispiele aus dem DACH-Raum:

Anwendungsbereich

Beispiel für LCNC-Lösung

Nutzen für Kunden / Beratung

Kundenportale

Interaktives Dashboard für Projektstatus, Dokumentenaustausch und KPI-Tracking

Transparenz, effizientere Kommunikation, verbesserte Kundenerfahrung

Prozessautomatisierung

App zur Automatisierung von Onboarding-Prozessen für Neukunden oder internen Genehmigungsworkflows

Reduktion manueller Fehler, Beschleunigung von Abläufen, Freisetzung von Ressourcen

Datenanalyse-Tools

Spezialisiertes Tool zur Visualisierung und Analyse von Finanzdaten oder Marktforschungsergebnissen

Schnellere, individuelle Einblicke, datenbasierte Entscheidungsfindung

Beratungstools

Konfigurator für individuelle Sanierungspläne oder Nachfolgestrategien, basierend auf Kundendaten

Standardisierung bei Individualisierung, höhere Beratungsqualität, Effizienz in der Leistungserbringung

Interne Verwaltung

Anwendung zur Zeiterfassung, Projektbudgetierung oder Ressourcenplanung

Optimierung interner Abläufe, bessere Projektsteuerung, Kostenkontrolle

Ein Beispiel: Eine kleine Unternehmensberatung aus Baden-Württemberg konnte für einen mittelständischen Kunden, der im Maschinenbau tätig ist, ein spezifisches Dashboard zur Visualisierung seiner Produktionskennzahlen in nur vier Wochen entwickeln und implementieren. Klassisch programmiert hätte dieses Projekt sechs bis acht Monate in Anspruch genommen. Dies ermöglichte dem Kunden, Engpässe frühzeitig zu erkennen und die Effizienz um 8% zu steigern, während die Beratungsfirma schneller einen messbaren Erfolg liefern und neue Folgeaufträge generieren konnte.

4Herausforderungen und strategische Überlegungen

Trotz der zahlreichen Vorteile sind mit der Einführung von LCNC-Plattformen auch Herausforderungen verbunden, die strategisch adressiert werden müssen. Dazu gehören der potenzielle 'Vendor Lock-in', also die Abhängigkeit von einem bestimmten Plattformanbieter, sowie Fragen der Datensicherheit und Compliance, insbesondere bei sensiblen Kundendaten. Auch die Skalierbarkeit für extrem komplexe oder hoch performante Anwendungen muss vorab geprüft werden. Kleine Beratungen sollten zudem eine klare Governance für die Entwicklung und den Einsatz von LCNC-Anwendungen etablieren, um Wildwuchs und Inkonsistenzen zu vermeiden. Die Schulung der Mitarbeiter ist ein weiterer Faktor. Es gilt, Berater in der Bedienung der Tools zu qualifizieren und ein Verständnis für Best Practices in der Softwareentwicklung zu vermitteln.

5Erfolgreiche Implementierung und wirtschaftliche Effekte

Der Weg zur erfolgreichen LCNC-Implementierung beginnt mit einer klaren Strategie. Zunächst sollte eine Pilotanwendung identifiziert werden, die einen hohen Mehrwert verspricht, aber überschaubar im Umfang ist. Dies könnte ein internes Tool zur Projektverwaltung sein oder ein spezifisches Kunden-Dashboard. Die Auswahl der richtigen LCNC-Plattform sollte auf die individuellen Bedürfnisse und das bestehende IT-Ökosystem abgestimmt sein. Viele Plattformen bieten kostenlose Testphasen an, die für eine erste Evaluierung genutzt werden sollten. Die Investition in Lizenzen und Schulungen amortisiert sich in der Regel schnell durch die beschleunigten Projektzyklen und die Möglichkeit, neue, digital orientierte Beratungsleistungen anzubieten. Eine Umfrage unter deutschen KMU ergab, dass Unternehmen, die LCNC-Technologien nutzen, eine durchschnittliche Steigerung der Projektrentabilität von 15% bis 25% verzeichnen. Dies resultiert aus kürzeren Projektlaufzeiten, geringeren Entwicklungskosten und einer höheren Kundenzufriedenheit, die oft zu Folgeaufträgen führt.

Darüber hinaus ermöglicht LCNC kleinen Beratungsfirmen, sich von der Konkurrenz abzuheben. Sie können ihren Kunden strategische Ratschläge geben und direkt praktikable digitale Werkzeuge an die Hand legen, die den Beratungsnutzen unmittelbar spürbar machen. Dies stärkt die Bindung und etabliert die Beratungsfirma als Partner im Digitalisierungsprozess des Mittelstands.

6Fazit und Ausblick

Low-Code/No-Code-Plattformen sind kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug, das kleinen Beratungshäusern im DACH-Raum einen Innovationsschub verleihen kann. Sie ermöglichen es, mit begrenzten Ressourcen schnell und flexibel auf die komplexen Anforderungen des Mittelstands zu reagieren und digitale Lösungen zu liefern. Wer die Potenziale dieser Technologien strategisch nutzt und gleichzeitig die Herausforderungen managt, wird die eigene Effizienz steigern und neue Geschäftsfelder erschließen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern. Die Zukunft der Unternehmensberatung wird zunehmend digital sein, und LCNC bietet kleinen Akteuren die Chance, aktiv an dieser Gestaltung mitzuwirken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kleine Beratungshäuser können mit LCNC-Plattformen Entwicklungszeiten um 50-70% reduzieren und Kosten signifikant senken.
  • Individuelle Kundenlösungen wie Dashboards oder Prozessautomatisierungen sind dank LCNC in wenigen Wochen statt Monaten realisierbar.
  • Die Investition in LCNC-Tools und -Schulungen kann den Projekt-ROI um bis zu 30% steigern und neue Beratungsfelder eröffnen.
  • Trotz hoher Effizienz ist eine sorgfältige Auswahl der Plattform und interne Kompetenzbildung für Governance und Sicherheit unerlässlich.
  • LCNC fördert die Agilität von KMU-Beratungen, indem es die schnelle Anpassung an Kundenbedürfnisse und Marktentwicklungen erlaubt.

Nachgefragt

Was unterscheidet Low-Code von No-Code?

No-Code-Plattformen sind für Anwender ohne Programmierkenntnisse konzipiert und ermöglichen die Erstellung von Anwendungen per Drag-and-Drop. Low-Code-Plattformen hingegen richten sich an Entwickler oder technisch versierte Anwender, die durch visuelle Tools den Großteil der Programmierung abdecken, aber bei Bedarf auch eigenen Code integrieren können. Low-Code bietet somit mehr Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten.

Welche Risiken sind mit der Nutzung von LCNC-Plattformen verbunden?

Zu den Hauptrisiken zählen der sogenannte Vendor Lock-in, bei dem eine Abhängigkeit vom Anbieter entsteht, sowie potenzielle Sicherheitslücken, falls die Plattform nicht ausreichend gehärtet ist. Auch die Skalierbarkeit kann bei sehr komplexen Anwendungen an Grenzen stoßen, und die Integration in bestehende IT-Landschaften erfordert sorgfältige Planung. Eine fehlende Governance kann zudem zu Wildwuchs bei den Anwendungen führen.

Wie können kleine Beratungshäuser den Einstieg in LCNC finanzieren?

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im DACH-Raum gibt es verschiedene Förderprogramme für Digitalisierungsvorhaben, die auch die Einführung von LCNC-Plattformen und die zugehörige Mitarbeiterschulung unterstützen können. Programme wie 'Digital Jetzt' des BMWK oder regionale Förderungen der Bundesländer bieten hier Ansatzpunkte. Eine Beratung bei der KfW oder den örtlichen IHKs kann Aufschluss über passende Optionen geben.

Ist die Qualität der mit LCNC entwickelten Lösungen vergleichbar mit klassischer Entwicklung?

Die Qualität einer mit LCNC entwickelten Lösung hängt stark von der Plattform, der Expertise der Anwender und der Sorgfalt bei Design und Tests ab. Für standardnahe Geschäftsanwendungen und Prototypen kann LCNC eine vergleichbare, oft sogar überlegene Qualität in kürzerer Zeit liefern. Bei hochkomplexen Systemen mit sehr spezifischen Leistungsanforderungen oder extrem hohen Sicherheitsstandards kann die klassische Entwicklung noch Vorteile haben, doch LCNC-Plattformen entwickeln sich stetig weiter.

Quellen

  1. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK)
  2. Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
  3. Industrie- und Handelskammer (IHK)
  4. Existenzgründer-Portal des BMWK

Aus der Redaktion: Redaktion Mittelstandswelt, Redaktion.

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