Rund 190.000 Unternehmen stehen nach der Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn im Zeitraum 2022 bis 2026 zur Übergabe an, etwa 38.000 pro Jahr. Die Zahl beschreibt nur die wirtschaftlich attraktiven, übernahmewürdigen Fälle; das tatsächliche Ausscheiden von Inhabern liegt darüber. Es ist die vielleicht am besten dokumentierte Strukturveränderung des deutschen Mittelstands, und sie verläuft langsamer sichtbar als jede Konjunkturkrise: ein Betrieb nach dem anderen.

1Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst

Das KfW-Nachfolge-Monitoring vermisst die unangenehme Seite derselben Entwicklung. Ein erheblicher und wachsender Teil der übergabewilligen Inhaber findet schlicht keinen Nachfolger, weder in der Familie, wo Erbengenerationen kleiner werden und häufiger eigene Wege gehen, noch am Markt, wo die Zahl der Existenzgründer seit Jahren hinter dem Ersatzbedarf zurückbleibt. Die Konsequenz taucht in den Erhebungen als nüchterne Kategorie auf: geplante Stilllegung ohne Übergabe. Betroffen sind vor allem kleinere Betriebe unter zehn Beschäftigten, Handwerk und Handel vor Industrie.

Der Treiber ist demografisch und deshalb gut prognostizierbar. Mehr als jeder vierte mittelständische Inhaber hat das 60. Lebensjahr überschritten; die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Übergabealter gerade erst in voller Breite. Anders formuliert: Die Zahlen der kommenden Jahre stehen im Wesentlichen fest, offen ist nur, wie viele Übergaben gelingen.

2Einordnung der Redaktion

Für Inhaber folgt aus den Statistiken eine unbequeme Marktlogik. Wenn jährlich zehntausende Betriebe einen Nachfolger suchen und die Käuferseite dünner wird, ist die Übergabe kein Verkäufermarkt mehr, gut vorbereitete Unternehmen mit sauberer Datenlage, dokumentierten Prozessen und realistischer Preisvorstellung konkurrieren gegen schlecht vorbereitete um dieselben wenigen Übernehmer. Vorbereitung wird damit vom Kür- zum Pflichtprogramm: die Börse nexxt-change von BMWK und KfW listet laufend mehrere tausend Übergabeangebote, gegen die das eigene bestehen muss.

Die Redaktion führt die Kennzahlen dieser Notiz mit den jeweils aktuellen Erhebungsständen von IfM und KfW fort; ausführlich behandelt das Magazin den Übergabeprozess im Ratgeber zur Nachfolgeberatung.