Rund 47 Milliarden Euro Umsatz weist der Branchenverband BDU in seiner Erhebung Facts & Figures für das Jahr 2024 aus. Der deutsche Beratungsmarkt hat damit seinen langjährigen Wachstumspfad fortgesetzt, wenn auch mit gebremstem Tempo. Zum Vergleich: Um die Jahrtausendwende lag das Volumen noch bei gut zwölf Milliarden. Beratung ist längst keine Konzerndienstleistung mehr, sondern ein Standardposten auch in mittelständischen Budgets.
1. Wenige Große, sehr viele Kleine
Bemerkenswerter als die Summe ist die Struktur. Nach den Strukturdaten des Statistischen Bundesamts zum Wirtschaftszweig 70.2 arbeiten in Deutschland weit über 20.000 Beratungsgesellschaften, die große Mehrheit davon mit weniger als zehn Beschäftigten, dazu eine statistisch kaum fassbare Zahl von Einzelberatern. Am anderen Ende vereinen die großen Strategie- und IT-Beratungen einen erheblichen Teil des Branchenumsatzes auf sich. Ein Mittelfeld, wie es andere Dienstleistungsbranchen kennen, ist vergleichsweise dünn besetzt.
Getragen wird das Wachstum seit Jahren von denselben Themen: Digitalisierung und IT-nahe Beratung, Restrukturierung in konjunkturschwachen Phasen, dazu ein stetig wachsendes Fördermittel- und Nachhaltigkeitsgeschäft. Die Nachfrage des Mittelstands wächst dabei überdurchschnittlich, auch, weil Förderprogramme wie der BAFA-Beratungszuschuss die Einstiegshürde senken.
2. Was das für Auftraggeber bedeutet
Für mittelständische Auftraggeber hat die Kleinteiligkeit zwei Seiten. Die angenehme: Für nahezu jede Spezialfrage existiert ein spezialisierter Anbieter, und die typischen Mandatsgrößen des Mittelstands, 10.000 bis 100.000 Euro, sind das Kerngeschäft eben jener kleinen Gesellschaften, nicht der großen Häuser. Die unangenehme: Ein Markt mit zigtausend Anbietern und ungeschützter Berufsbezeichnung verlagert die Qualitätsprüfung vollständig auf den Auftraggeber. Referenzgespräche, nachvollziehbare Angebote und ein sauberer Vertrag bleiben die einzigen belastbaren Filter.
Bemerkenswert ist schließlich die Preisseite: Die Tagessätze sind über die Jahre moderat, aber stetig gestiegen, erfahrene Einzelberater liegen im Median um 1.400 Euro, mit erheblicher Spreizung nach Thema und Erfahrung. Wer Angebote vergleicht, vergleicht deshalb besser Leistungsbeschreibungen als Tagessätze; der billigste Tag ist selten der günstigste.
Die Redaktion beobachtet die Marktzahlen fortlaufend; die Honorar- und Auswahlratgeber dieses Magazins werden entsprechend aktualisiert.
