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MW · Nr. 029Beratungspraxis

Internationale Beratungsförderung: Welche Programme nutzen Mittelständler?

Deutsche Mittelständler können für internationale Projekte auf verschiedene Förderprogramme zurückgreifen, um Beratungskosten zu reduzieren und globale…

Von Redaktion Mittelstandswelt5 Min. Lesezeit

Zuletzt aktualisiert am

Die Internationalisierung bietet deutschen Mittelständlern enorme Wachstumschancen, birgt aber auch komplexe Herausforderungen. Von der Marktanalyse über rechtliche und zolltechnische Hürden bis hin zu interkulturellen Besonderheiten: die Expansion ins Ausland erfordert Know-how und strategische Weitsicht. Hier setzen spezialisierte Unternehmensberatungen an, die mit ihrer Expertise Risiken minimieren und Prozesse beschleunigen können. Allerdings sind die Kosten für solche Beratungsleistungen oft eine Hürde für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Glücklicherweise existieren im DACH-Raum, insbesondere in Deutschland, eine Reihe von Förderprogrammen, die Mittelständler bei der Beauftragung von Beratungsleistungen für ihre internationalen Projekte finanziell unterstützen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die relevantesten Angebote und zeigt auf, wie diese von Unternehmen effektiv genutzt werden können.

1Der zentrale Baustein: BAFA-Förderung unternehmerischen Know-hows

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist die erste Anlaufstelle für viele Mittelständler, wenn es um die Bezuschussung von Unternehmensberatungen geht. Das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ unterstützt KMU in verschiedenen Modulen, darunter explizit das Modul „Internationalisierung“. Ziel ist es, Unternehmen auf ihrem Weg ins Ausland zu begleiten, sei es bei der Erschließung neuer Märkte, der Optimierung bestehender Exportprozesse oder der strategischen Positionierung im globalen Wettbewerb. Die Förderung richtet sich an junge Unternehmen, Bestandsunternehmen und Unternehmen in Schwierigkeiten.

Konkret werden Beratungsleistungen zu Themen wie Markteintrittsstrategien, Exportfinanzierung, Zoll- und Außenwirtschaftsrecht, interkulturelles Management oder die Entwicklung internationaler Marketingkonzepte bezuschusst. Die Höhe des Zuschusses ist dabei attraktiv gestaffelt: In den alten Bundesländern beträgt der Zuschuss 50 Prozent der förderfähigen Beratungskosten, maximal jedoch 1.500 Euro. In den neuen Bundesländern (außer Region Leipzig und Berlin) sowie in bestimmten Regionen der alten Bundesländer (z.B. Ländlicher Raum in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) können bis zu 80 Prozent, maximal 2.700 Euro, gefördert werden. Für Unternehmen in Schwierigkeiten in allen Regionen sind es sogar bis zu 90 Prozent der Kosten, maximal 3.000 Euro. Die Auswahl des Beraters ist dem Unternehmen freigestellt, dieser muss jedoch bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und beim BAFA registriert sein.

Modul

Zielgruppe

Zuschusssatz (alt/neu BL)

Max. förderf. Beraterhonorar

Max. Zuschuss

Internationalisierung

Junge/Bestandsunternehmen

50% / 80%

3.000 EUR

1.500 EUR / 2.700 EUR

Internationalisierung

Unternehmen in Schwierigkeiten

90%

3.000 EUR

3.000 EUR

2Ergänzende Bundesprogramme: KfW und weitere Optionen

Neben der direkten Beratungsförderung durch das BAFA bieten andere Bundesprogramme indirekte Unterstützung für internationale Vorhaben, die auch Beratungsleistungen beinhalten können. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellt verschiedene Kreditprogramme bereit, die Investitionen in die Internationalisierung finanzieren. Der „ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit“ oder der „KfW-Unternehmerkredit“ können beispielsweise für den Aufbau einer Auslandsniederlassung, die Anpassung von Produkten für internationale Märkte oder die Implementierung internationaler IT-Systeme genutzt werden. Im Rahmen solcher Investitionen können auch begleitende Beratungskosten anfallen, die dann als Teil der Gesamtinvestition mitfinanziert werden. Dies ist zwar keine reine Beratungsförderung, aber eine wichtige Option für größere Projekte.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) bietet zudem eine zentrale Förderdatenbank, die einen Überblick über alle Bundes-, Landes- und EU-Förderprogramme liefert. Für Unternehmen, die bereits im Export aktiv sind oder dies planen, sind zudem die Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen) ein wichtiges Instrument zur Absicherung von Auslandsgeschäften. Auch wenn diese nicht direkt Beratungskosten fördern, tragen sie zur Risikominimierung bei und können die Beauftragung von Beratungsleistungen zur Risikobewertung und Vertragsgestaltung erst ermöglichen.

3Länderspezifische Unterstützung: Regionale Potenziale nutzen

Die Bundesländer in Deutschland verfügen über eigene Förderbanken und Programme, die oft spezifischer auf die regionalen Wirtschaftsstrukturen zugeschnitten sind und die Bundesprogramme ergänzen. Diese Landesförderinstitute erkennen die Bedeutung der Internationalisierung für den lokalen Mittelstand und bieten teils eigene Beratungszuschüsse oder zinsgünstige Darlehen für internationale Projekte an. Beispielsweise bietet die NRW.BANK im Rahmen ihrer Mittelstandskredite auch explizit eine Komponente für internationale Vorhaben an. Die LfA Förderbank Bayern hält ebenfalls Programme bereit, die bayerische Unternehmen bei ihrer internationalen Expansion unterstützen.

Diese regionalen Angebote können oft mit den Bundesprogrammen kombiniert werden, wodurch sich die Gesamtfinanzierung deutlich verbessern lässt. Es lohnt sich daher immer, zusätzlich zu den bundesweiten Programmen auch die spezifischen Angebote der jeweiligen Landesförderbanken und Wirtschaftsförderungsgesellschaften zu prüfen. Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) sowie Handwerkskammern sind hierbei wertvolle Ansprechpartner, da sie einen guten Überblick über die regionalen Förderlandschaften haben und oft erste Beratungen anbieten.

4Europäische Unterstützung und Netzwerke: Grenzenlose Beratung

Auch auf europäischer Ebene gibt es Instrumente, die Mittelständler bei ihrer Internationalisierung unterstützen können, wenn auch nicht immer in Form direkter Beratungszuschüsse. Das Enterprise Europe Network (EEN) ist ein europaweites Netzwerk, das Unternehmen bei der Suche nach Geschäftspartnern im Ausland, bei der Beratung zu EU-Recht und bei der Teilnahme an EU-Förderprogrammen unterstützt. Es bietet kostenfreie Erstberatungen, Matchmaking-Events und Informationen zu internationalen Märkten und Technologien. Dies ist zwar keine direkte finanzielle Förderung für externe Beratungsleistungen, aber eine wertvolle Ressource, die den Bedarf an externer Beratung reduzieren oder gezielter gestalten kann.

Programme wie das „Single Market Programme“ (vormals COSME) oder Teile von „Horizon Europe“ fokussieren auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovation von KMU in Europa und können indirekt internationale Kooperationen und damit verbundene Beratungsbedarfe anstoßen oder unterstützen. Auch wenn diese Programme oft komplexer sind und spezifische Kriterien erfüllen müssen, können sie für technologieorientierte Mittelständler mit internationalen Ambitionen relevant sein.

5Erfolgreich zum Förderantrag: Praxistipps

Die erfolgreiche Beantragung von Fördermitteln erfordert Sorgfalt und eine gute Vorbereitung. Unternehmen sollten zunächst eine präzise Bedarfsanalyse durchführen und die Ziele ihrer internationalen Expansion klar definieren. Basierend darauf kann dann das passende Förderprogramm identifiziert werden. Die Wahl des richtigen Beraters ist ebenfalls wichtig; dieser sollte Erfahrung mit Förderprogrammen mitbringen und idealerweise beim BAFA registriert sein.

Es empfiehlt sich, frühzeitig Kontakt zu den jeweiligen Förderstellen oder beratenden Institutionen wie IHKs aufzunehmen. Die Antragstellung selbst erfordert eine detaillierte Beschreibung des Vorhabens, des Beratungsbedarfs und der erwarteten Ergebnisse. Eine saubere Dokumentation aller Schritte ist dabei unerlässlich. Viele Berater bieten auch Unterstützung bei der Antragsstellung an.

  • Bedarfsanalyse: Definieren Sie klar Ihre Internationalisierungsziele und den konkreten Beratungsbedarf.
  • Programmprüfung: Nutzen Sie die Förderdatenbank des BMWK und prüfen Sie auch landesspezifische Angebote.
  • Beraterauswahl: Achten Sie auf Qualifikation, Referenzen und Registrierung bei den Förderstellen (z.B. BAFA-Beraterdatenbank).
  • Antragstellung: Reichen Sie den Antrag *vor* Beginn der Beratungsleistung ein und stellen Sie alle erforderlichen Unterlagen bereit.
  • Dokumentation: Führen Sie eine sorgfältige Dokumentation der Beratungsleistung und der erzielten Ergebnisse.

Die Nutzung internationaler Beratungsförderprogramme ist eine strategische Entscheidung, die deutschen Mittelständlern erhebliche Vorteile im globalen Wettbewerb verschaffen kann. Durch die Reduzierung der Beratungskosten wird der Zugang zu Expertenwissen erleichtert, was wiederum die Risiken der Internationalisierung senkt und die Erfolgsaussichten signifikant erhöht. Es lohnt sich für jedes Unternehmen mit internationalen Ambitionen, die Fördermöglichkeiten detailliert zu prüfen und proaktiv in die eigene globale Zukunft zu investieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BAFA-Programm "Förderung unternehmerischen Know-hows" subventioniert Beratungsleistungen für Internationalisierungsvorhaben mit bis zu 90%.
  • KfW-Kredite wie der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit können indirekt auch beratungsbezogene Investitionen bei internationalen Projekten finanzieren.
  • Viele Bundesländer bieten eigene spezifische Förderprogramme für die Internationalisierung an, die oft mit Bundesmitteln kombinierbar sind.
  • Das Enterprise Europe Network (EEN) der EU bietet deutschen Mittelständlern kostenfreie Beratungs- und Matchmaking-Dienstleistungen für Auslandsmärkte.
  • Eine frühzeitige und präzise Bedarfsanalyse ist notwendig, um das passende Förderprogramm zu identifizieren und die maximal mögliche Unterstützung zu erhalten.

Nachgefragt

Welche Arten von Beratungsleistungen werden im Bereich Internationalisierung typischerweise gefördert?

Gefördert werden Strategieberatung für Markteintritt, Analyse internationaler Märkte, Entwicklung von Exportstrategien, Beratung zu rechtlichen Rahmenbedingungen, Zollfragen, Logistik, interkulturelles Management oder die Digitalisierung internationaler Vertriebskanäle. Wesentlich ist der Bezug zu einem konkreten Internationalisierungsvorhaben.

Kann ein Unternehmen mehrere Förderprogramme gleichzeitig für ein internationales Projekt in Anspruch nehmen?

Ja, oft lassen sich verschiedene Programme kombinieren. Beispielsweise können Sie für die Beratungsleistung selbst BAFA-Mittel nutzen und für die anschließende Investition, wie den Aufbau einer Auslandsniederlassung oder die Anpassung von Produkten, einen KfW-Kredit beantragen. Eine Kumulierung von Beratungsförderungen für dieselben Leistungen ist jedoch meist ausgeschlossen.

Gibt es spezielle Förderungen für die Internationalisierung in bestimmte Zielmärkte oder Regionen?

Direkte regionale Beschränkungen gibt es bei den großen Bundesprogrammen selten, da der Fokus auf der Stärkung der deutschen Wirtschaft liegt. Einige Landesförderprogramme können jedoch geografische Schwerpunkte haben oder spezifische Märkte besonders berücksichtigen. Auch bilaterale Abkommen können hier eine Rolle spielen.

Welche Rolle spielen die Industrie- und Handelskammern (IHKs) bei der internationalen Beratungsförderung?

IHKs sind oft die erste Anlaufstelle für Mittelständler mit Internationalisierungswünschen. Sie bieten grundlegende Informationen, organisieren Delegationsreisen, vermitteln Kontakte und können erste Hinweise zu passenden Förderprogrammen geben. Viele IHKs sind auch Knotenpunkte des Enterprise Europe Network.

Quellen

  1. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Förderprogramme
  2. Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Mittelstandsfinanzierung
  3. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Förderdatenbank
  4. Deutsche Industrie- und Handelskammern (DIHK): International

Aus der Redaktion: Redaktion Mittelstandswelt, Redaktion.

MW · Nr. 029 · Beratungspraxis · 1.044 Wörter

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